Meine Erfahrung mit Akupunktur
Im Jahr 1996 begann ich eine Ausbildung in Akupunktur. Trotz anfänglicher großer Skepsis war ich nach einigen Kursen und reichlichen Selbstversuchen überrascht von den therapeutischen Möglichkeiten und der Wirkung der Akupunktur und traditionellen chinesischen Medizin.
Heute bin ich ein großer Anhänger dieser Therapieform. Sie bietet eine große Chance, auch dann noch Krankheiten zu heilen bzw. Beschwerden zu lindern, wenn schulmedizinische Therapien nicht mehr weiter kommen. Akupunktur ist daher eine wertvolle Ergänzung unserer westlichen Medizin.
Leider gibt es in Deutschland ein großes Problem. Es gibt hier viele Akupunkturschulen, die aber unglücklicherweise die Akupunktur und ihre Therapiemöglichkeiten unterschiedlich lehren. Eine Ursache ist darin zu suchen, dass viele in Deutschland erhältliche Bücher aus dem Französischen übersetzt wurden, ohne jedoch zu prüfen, ob die in Frankreich erschienenen Bücher ihrerseits korrekt aus dem Chinesischen übersetzt wurden. Wie mir der bekannte französische Arzt und Akupunkturexperte Dr. med. Maurice Mussat persönlich bestätigte, sind die meisten französischen Bücher jedoch in der Übersetzung aus dem Chinesischen mit zahlreichen Mängeln behaftet – vermutlich wurden diese Mängel dann mit ins Deutsche übersetzt. Darin ist zum Beispiel auch die Ursache zu finden, warum ein Meridian des Jue Yin mal Meister des Herzens, mal Perikard und mal Kreislauf/Sexualität heißt. Auch der oft genannte Begriff „Tendinomuskuläre Meridiane (TMM)“ entspringt einer falschen Übersetzung aus dem Chinesischen.
Soweit ich das heute beurteilen kann, kommt die Lehre des Arztes Dr. Maurice Mussat wohl der tatsächlichen Akupunktur der alten Meister aus China am nächsten. Er beruft sich auf sehr alte fernöstliche Quellen einerseits aus der Akupunktur, andererseits aus dem Taoismus. Und in der Tat kann man Akupunktur viel besser verstehen, wenn man sich auch mit dem Taoismus beschäftigt – dies wird jedoch bei deutschen Akupunkturgesellschaften überwiegend nicht getan.
Die Lehre von Mussat wird in Deutschland nur von einer Akupunkturgesellschaft, nämlich „forum lotus“ in Essen gelehrt. Mussat hat es in einzigartiger Weise verstanden, die alte Lehre der Akupunktur aufzuarbeiten, er hat die alten taoistischen “Trigramme” hier wieder eingeführt und mit der Akupunktur verbunden, wodurch die Lehre viel klarer, logischer und übersichtlicher wurde, sich leichter erlernen lässt (statt nur Punktekombinationen auswendig zu lernen) und damit auch die Erfolge in der Therapie größer werden.
Übrigens: Trigramme finden Sie auch auf der Flagge von Südkorea.
Von Mussat kommen Begriffe wie „Erste Gleichung“, „Zweite Gleichung“ und „Pentakoordination“, er ist der einzige, der erklärt, warum es bei den „Außerordentlichen Meridianen“ nicht reicht, einfach nur die zwei Kardinalpunkte (wie z. B. Lu6, MP4) zu stechen, sondern weitere Punkte zwingend erforderlich sind – all dies hört man in anderen Akupunktur-Organisationen eben anders. Er ist der einzige, der in der Therapie die Technik der Triangulation einführt und erklärt - die wohl wichtigste Therapietechnik der Akupunktur überhaupt.
Akupunktur ist eine sehr wirkungsvolle, dabei aber sanfte Therapieform. Sie hebt unser Energieniveau an, da die Chinesen von der Vorstellung ausgehen, dass Krankheit ein Zustand gestörter Energie ist. Sie wird in Deutschland meist als Schmerztherapie eingesetzt. Hierzu benutzt man vielfach bestimmte Standard-Punktekombinationen, die sich als wirkungsvoll erwiesen haben. Akupunktur kann aber deutlich mehr, allerdings setzt dies schon gute Kenntnisse der TCM voraus – mehr als 350 oder gar nur 160 Stunden Fortbildung. Man kann mir ihr genauso Herzrhythmusstörungen behandeln wie den Insulinbedarf bei Diabetikern senken, man kann Asthma und Allergien, Migräne und sogar bestimmte Magengeschwüre behandeln. Besonders erfolgreich kann man sie bei funktionellen Beschwerden einsetzen, also Beschwerden, bei denen die Schulmedizin versagt oder keine Ursache findet. Auch Depressionen und Ängste können gut therapiert werden.
Allerdings hat Akupunktur auch ihre Grenzen, und die sollte man sehr gut kennen. Vieles kann man schulmedizinisch auch besser oder schneller heilen, wie z. B. Infektionen oder operationspflichtige Erkrankungen – hier würde ich von Akupunktur abraten.