In meiner Tätigkeit als Hausarzt und auch als Berater in Medizinforen stellen sich mir mir immer wieder die gleichen Probleme dar, die meiner Meinung nach ganz allein auf fehlende Kommunikation oder Missverständnissen zwischen Arzt und Patient zurück zu führen sind.
Ich möchte diese hier einmal darlegen und Lösungswege aufzeigen.
Problem: “Ich war beim Arzt, aber er hat mir nicht geholfen....”
In vielen Fällen stellt sich dann heraus, dass Patienten wegen Beschwerden einmalig beim Arzt waren. Dieser hat ein Medikament verschrieben, welches nicht geholfen hat. Ein erneuter Besuch beim Arzt fand nicht statt.
Offensichtlich gibt es viele Patienten, die der Meinung sind, dass ein Arzt nach einem Besuch mit einer Untersuchung immer eine Diagnose haben sollte. Dies ist jedoch überhaupt nicht real. Denn es gibt zahlreiche Erkrankungen, die nur mit viel Aufwand und Zeit zu diagnostizieren sind. Man kann nun mal nicht alle Untersuchungen gleichzeitig machen, zumal dies auch viel zu teuer wäre und von den Kassen nicht bezahlt würde.
Der Arzt in der Praxis geht eigentlich immer nach dem selben Schema vor: Man klärt Krankheiten von häufig nach selten ab. Hat man einen bestimmten Verdacht aufgrund der Befragung und körperlichen Untersuchung, so wird dies zuerst abgeklärt, mit einer Laboruntersuchung und ggf. weiteren Maßnahmen, wie Ultraschall usw. Bestätigt sich der Verdacht, erfolgt die Therapie.
Bestätigt sich der Verdacht nicht, wird weiter gesucht. Dabei werden häufige Erkrankungen zuerst abgeklärt, und seltene Erkrankungen zuletzt. Zusätzlich werden schmerzfreie und harmlose diagnostische Möglichkeiten zuerst genutzt, während schmerzhafte oder unangenehme Untersuchungen erst am Schluss gemacht werden.
Dies bedeutet aber immer mehrere Arztbesuche.
Wenn nun eine Therapie eingeleitet wird, gibt es zwei Möglichkeiten:
a) Die Therapie wirkt; gut!
b) Die Therapie wirkt nicht. Dann kann es sein,
dass das Medikament in diesem speziellen Fall warum auch immer nicht wirkt (Dies kommt vor, denn jeder Mensch ist anders), oder aber die Diagnose ist falsch oder noch nicht komplett.
Auch in diesem Fall gilt: Wieder zum Arzt gehen, denn der Arzt ist kein Hellseher. Kommen Sie nicht mehr, geht er davon aus, dass Sie gesund sind und wird daher von sich aus auch nichts mehr unternehmen. Nur dadurch, dass Sie nochmals zu diesem Arzt gehen, geben Sie ihm die Möglichkeit, weitere Untersuchungen zu machen oder ein anderes Medikament zu verordnen.
Dies ist auch ein Satz, den ich im Internetforum öfters zu lesen bekomme. Stimmt das wirklich? Hat Ihr Arzt Ihnen gesagt, dass er nicht weiter weiß? Oder ist dies eine Vermutung von Ihnen, weil die Diagnose immer noch nicht gefunden wurde.
Denken Sie daran, dass manche Krankheiten nur schwer zu entdecken sind. Dazu braucht Ihr Arzt Zeit, und vor allem auch Ihre Mithilfe. Gehen Sie nicht zum Arzt, kann der auch nichts untersuchen. Und wenn mal was nicht klappt, oder ein Medikament nicht wirkt, gehen Sie noch mal zu ihm hin. Denn jeder Mensch ist anders, und so kann es sein, dass ein sehr bewährtes Medikament bei Ihnen aus welchen Gründen auch immer nicht wirkt. Denken Sie daran, dass Sie genetisch einzigartig sind – es gibt Sie nur einmal auf der Welt (von eineiigen Zwillingen einmal abgesehen), da kann es passieren, dass Sie auf ein Medikament nicht ansprechen. Es gibt kein Mittel, welches in 100% wirkt!
Verzweifeln Sie nicht, gehen Sie wieder zu Ihrem Arzt, und bitten um weitere Abklärung, wenn noch keine Besserung in Sicht ist.
Kein Medikament hilft bei allen Menschen, die Wirkung ist immer etwas unterschiedlich, da wir ja alle Individuen sind und einzigartig auf der Welt. Das unterscheidet uns von Autos. Also kann es passieren, dass ein Medikament bei Ihnen nicht wirkt, obwohl es bei anderen wirkt.
Dies kann Ihr Arzt aber nicht im voraus wissen, daher sollten Sie ihm das sagen und ihn um ein anderes Mittel bitten.
Dazu ist Ihr Arzt verpflichtet, sonst macht er sich strafbar. Dazu ist er im übrigen auch bei Privatpatienten verpflichtet, auch wenn viele das anders sehen. Zwar übernehmen die meisten Privatversicherer noch klaglos die Kosten für das Medikament, es mehren sich aber rapide die Versicherer, die eben nicht mehr alles bezahlen, oder eine besondere Begründung dafür haben wollen, warum ein so teures Medikament verschrieben wurde. Und manche Medikamente bezahlt auch die Privatversicherung schon nicht mehr.
Wenn es gleich gute Pillen in unterschiedlichen Preisklassen gibt, muss der Arzt das billigste verschreiben. Allerdings darf er teure Medikamente verschreiben, wenn es kein billiges mit gleich guter Wirkung gibt. Und wenn er auf Ihren Wunsch teurere Medikamente verschreibt, müssen Sie diese selbst bezahlen
Auch dies lese ich des öfteren in den Anfragen des Medizinforums.
Denken Sie daran: Kein Mensch ist eine Maschine, sondern besteht neben dem Körper auch aus einer Seele (und Psyche). Viele Menschen meinen, bei Beschwerden immer gleich einen Spezialisten aufsuchen zu müssen. Diese sind zwar in der Tat spezialisiert, aber sehen meist recht schmalspurig nur ihren Fachbereich, um die Psyche kümmern sie sich dabei nur selten.
Dazu gibt es Beschwerden, die auf zahlreiche Erkrankungen aus unterschiedlichen Fachgebieten hindeuten, die der Spezialist aber nicht alle abdecken kann. Dann ist die Gefahr groß, dass eine Erkrankung übersehen wird.
Als Beispiel sei ein Patient mit linksseitigen Rückenschmerzen genannt, der lange Jahre zum Orthopäden lief und eines Tages tot war. Bei der Autopsie fand man eine schwere Herzerkrankung, die nie entdeckt wurde.
Da sei der umgekehrte Fall beschrieben, wo ein Patient wegen Brustschmerzen jahrelang von einem Kardiologen zum nächsten lief, weil er fest davon überzeugt war, dass es sich um eine Herzerkrankung handeln musste. Als er wegen einer Erkältung mal beim Hausarzt war und nebenbei auch die Brustschmerzen erwähnte, schickte ihn dieser einmal zu einer Magenspiegelung – man fand ein großes Magengeschwür, und nach entsprechender Therapie waren die jahrelangen Schmerzen weg.
Sie meinen, das ist weit hergeholt? Ist es leider nicht, sondern gängige Praxis.
Der große Vorteil eines Hausarztes ist, dass er nach Erstuntersuchung eben aus seiner Erfahrung entscheiden kann, ob ein Spezialist notwendig ist, und wenn ja, welcher. Und er bekommt dann hinterher einen Befundbericht. Der Hausarzt ist also im Idealfall immer über alle Erkrankungen, ferner Untersuchungsbefunde und Therapien informiert. Das schützt vor Doppeluntersuchungen und Medikamentenwechselwirkungen!
Das kann passieren, wenn es sich um Bagatellbeschwerden handelt. Dazu zählen Husten, Schnupfen, Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen und ähnliches. Hier liegt in über 98% der Fälle ein einfacher Virusinfekt als Ursache vor, und in diesen Fällen ist es gerechtfertigt, erst einmal nach einer durchgeführten körperlichen Untersuchung ein paar Tage diesen Infekt zu behandeln. Die körperliche Untersuchung dient dazu, Bedrohliches auszuschließen, und aufgrund seiner Erfahrung wird Ihr Arzt hier schnell erkennen, ob eine akute Gefahr droht
Wenn dann die Beschwerden nicht gebessert sind, oder trotz Therapie schlimmer werden, sollten Sie als Patient unbedingt den Hausarzt wieder aufsuchen, denn das ist dann für ihn das Zeichen, dass weitere Diagnostik erforderlich ist. Ihr Arzt wird dies dann auch durchführen.
Beispiel: Durchfall ist meist ein Zeichen für eine Magen-Darm-Infektion, in selteneren Fällen aber auch für eine Dickdarmentzündung (oder etwas anderes). Möchten Sie bei jedem banalen Infekt gleich eine Darmspiegelung bekommen? Doch wohl nicht! Und ein Infekt ist nach ein paar Tagen vorbei – die Darmentzündung nicht.