Jod ist gefährlich bei Hashimoto
Ich höre immer wieder, dass Jod bei Hashimoto schlecht sein soll. Überzeugende Fakten dazu habe ich jedoch bisher nicht finden können. Auch eine
Internetrecherche führte mich zu keinem anderen Ergebnis, vielleicht habe ich aber auch nur die richtigen Quellen verpasst.
Ich habe in zwei sehr ausführlichen internistischen Fachbüchern nachgeforscht und keinen Hinweis dazu
gefunden. Auch in den Kontraindikationen (also Gegenanzeigen) der Jodmedikamente habe ich keinen Hinweis gefunden, dass Jod bei Hashimoto kontraindiziert wäre. Und wenn es wirklich einen nachgewiesenen (!) Schaden gäbe, wäre es dort in
der Regel schon aus juristischen Gründen zuerst vermerkt.
Nach allem, was ich finden konnte, stellt sich für mich die Situation wie folgt dar:
1) Jodgaben können eine Hashimoto nicht bessern, sind daher sinnlos als Therapie gegen Hashimoto.
2) natürliche Jodeinnahme in Nahrungsmitteln hat keinen Einfluss auf die Hashimoto und ist daher auch nicht gefährlich.
Alles
weitere erscheint mir doch eher spekulativ zu sein. Es wird auch nicht richtiger dadurch, dass es auf vielen Internetseiten von Selbsthilfegruppen veröffentlicht wird.
Ich möchte hier keine Diskussion darüber starten, ob Jod nun
sinnvoll ist oder nicht, aber wenn ein Gast dieser Seite eine gute (wissenschaftlich anerkannte!) Quelle nennen kann, dann wäre ich sehr dankbar dafür.
Übrigens: Hashimoto wird (zumindest in der Phase, in der es zu einer
Unterfunktion kommt) mit Schilddrüsenhormonen behandelt. Diese enthalten auch Jod - ohne Jod wären es keine Schilddrüsenhormone.
Allerdings gibt es Hinweise, dass eine übermäßige Jodzufuhr ein gewisses Risiko darstellt, an einer Autoimmunthyreoidits zu erkranken. Nachdem erste Studien entsprechende Hinweise liefert, wird in Deutschland derzeit eine große randomisierte Studie zur Klärung dieser Frage durchgeführt. Ergebnisse sind etwa 2007 zu erwarten, sollte sich der Verdacht bestätigen, wird man dann wohl von der weit verbreiteten Jodprophylaxe der Struma wieder Abstand nehmen.
Falsche Aussagen zum TSH und zur Schilddrüse
(Sinn und Unsinn von Internetseiten)
Immer wieder lese und höre ich auch, dass der obere Grenzwert von TSH bei 2,5 mU/l statt bei 4 mU/l liegt, und dass man auch mit normaler TSH
eine Unterfunktion der Schilddrüse haben kann. In dem Zusammenhang wird dann auch gleich (insbesondere in Foren oder auf Seiten von Schilddrüsenselbsthilfegruppen) behauptet, dass die meisten Ärzte nicht in der Lage seien, die
Schilddrüse richtig zu untersuchen, weil sie nämlich nur das TSH bestimmen würden und nicht auch die anderen Werte.
All dies ist so nicht richtig. Der anerkannte Grenzwert für das TSH liegt immer noch bei 4 mU/l. So finden Sie
es in allen aktuellen Lehrbüchern für Labormedizin, und so finden Sie es auch auf der überwiegenden Mehrheit aller seriösen (!) Internetseiten. Dass manche etwas anderes behaupten, wird dadurch noch nicht richtig. Man darf auch nicht
den Fehler machen, einer zweifelhaften Studie zu glauben, nur weil sie einem in den Kram passt.
Ich habe zur Klärung dieser Frage mich mit dem Institut für Endokrinologie der Universität Düsseldorf in Verbindung gesetzt, einem
in Deutschland anerkannten Fachinstitut auch für die Schilddrüse. Von dort wurde mir mitgeteilt, dass man sehr wohl von der Diskussion um den Grenzwert des TSH weiß. Etwa im Jahre 2000 haben sich in den USA Wissenschaftler
zusammengesetzt zu einem Konsensgespräch über die Schilldrüse. Dabei wurde darüber diskutiert, den TSH Wert auf 2,5 zu senken. Dies wurde 2002 in einer medizinischen Fachzeitschrift veröffentlicht. Gleichzeitig kam es an anderer
Stelle jedoch zu einem weiteren Gespräch führender internationaler Schilddrüsenexperten. Dabei kam man zu einem völlig gegensätzlichen Ergebnis: Der TSH-Wert solle weiter wie bisher bei 4,5 bleiben. Nach intensivem Studium der
bisherigen Studienlage kam man zu dem Ergebnis, dass es bisher keinen wissenschaftlichen Beweis dafür gebe, dass der TSH-Wert auf 2,5 abzusenken ist. Daher gilt an der Universität Düsseldorf weiterhin als oberer Grenzwert für das TSH
der Wert 4,5!
Falsch ist im übrigen laut der Uni Düsseldorf die ebenfalls weit verbreitete Behauptung, dass bei Hashimoto soviel Hormon gegeben werden müsste, dass der TSH-Wert unter 2,5 oder besser noch unter 1 sei. Dies sei
unnötig, an der Uni wird lediglich eine Normalisierung des TSH (also auf einen Wert unter 4,5) angestrebt. Eine weitere Senkung des TSH sei unnötig und beeinflusse werder die Erkrankung positiv, noch reduziere es Beschwerden. Sollte es
bei normalem TSH zu Beschwerden kommen oder diese bleiben, sei die Ursache eben nicht die Schilddrüse.
In guten Büchern sowohl der Inneren Medizin als auch für Labormedizin ist ebenso zu lesen, dass bei normalem TSH-Wert eine
hormonelle Fehlfunktion der Schilddrüse praktisch ausgeschlossen ist. Haben die Patienten keine typischen Symptome einer Über- oder Unterfunktion, ist damit die hormonelle Diagnostik der SD abgeschlossen. Die ist und bleibt weiterhin
gültig, auch wenn Selbsthilfegruppen gerne im Internet das Gegenteil behaupten. Insbesondere die stereotype und gebetsmühlenartig wiederholte Forderung, nebenbei noch die Schilddrüsenhormone, möglichst auch noch die Antikörper zu
bestimmen und zwingend immer auch Sonographie und Szintigramm anzuschließen, ist so weit weg vom derzeitigen Kenntnisstand der Medizin. Diese Untersuchungen sind unter den og. Gegebenheiten absolut überflüssig.
Natürlich gibt es
Ausnahmen, aber die sind selten. Und wenn manchmal behauptet wird, dass jeder Dritte an einer Schilddrüsenerkrankung leidet, dann ist dies schlicht falsch.
Bevor Sie den Aussagen solcher Internetseiten glauben, machen Sie sich
bitte folgendes klar. Es gibt in der Tat viele Beschwerden, für die es bis heute keine ausreichenden schulmedizinischen Erklärungen gibt. Wenn Menschen mit solchen Beschwerden dann von Arzt zu Arzt rennen, und keiner findet etwas, dann
kommen sich diese Patienten dann irgendwann verständlicherweise wie Hypochonder vor. Es ist halt schwer zu akzeptieren, dass noch nicht jede Krankheit einen Namen und eine Therapiemöglichkeit hat. Also geht man hin und recherchiert
selbst, wozu es im Internet ja reichlich Gelegenheit gibt. Man findet dann irgendwann eine Seite, auf der behauptet wird, Ärzte haben keine Ahnung und können keine SD-Krankheiten oder meinetwegen auch keine Darmpilze diagnostizieren, und
in Wahrheit sei ja alles ganz anders, dann natürlich könne man auch mit normalen Laborwerten krank sein und eine Schilddrüsenfehlfunktion oder auch Darmpilze oder sonst eine Modekrankheit haben. Und plötzlich wird nahezu jedes
mögliche Symptom der Schilddrüse zugeordnet, oder Darmpilzen oder ähnlichem. So und ähnlich kann man es auf zahlreichen Internetseiten lesen.
Merken Sie den Betrug? Hier werden doch alle Patienten mit Beschwerden ohne Diagnose
eingefangen, und man wirft ihnen dann zu “Du hast es an der Schilddrüse (oder Darmpilze...)” Und so kommt man dann auch auf die Behauptung, jeder dritte hätte eine Erkrankung der Schilddrüse. Wenn alle diese Menschen z.B. eine
Unterfunktion der Schilddrüse hätten, müssten die Beschwerden doch weggehen, wenn man dann SD-Hormone nimmt. Gehen Sie aber leider meist nicht.
Übrigens: Nicht wenige dieser Seiten werden von Pharmafirmen gesponsort, was
man aber allenfalls im Kleingedruckten lesen kann
Bei Grippe und Erkältung muss man Antibiotika nehmen
Es ist nicht nur medizinischer Schwachsinn, sondern meiner Meinung nach ein Kunstfehler, bei einer Erkältung oder Grippe, auch mit Fieber, ein Antibiotikum, z. B.Penicillin, zu verordnen bzw. einzunehmen.
Erkältungen und auch die Grippe sind Viruskrankheiten. Antibiotika sind aber nur gegen Bakterien wirksam, nicht jedoch gegen Viren.
Durch die Einnahme eines Antibiotikums wird die Krankheit also nicht beeinflußt, stattdessen töten wir viele unserer Darmbakterien, die wir notwendig zu unserer Verdauung brauchen. Deshalb bekommen auch viele Menschen durch Antibiotika Durchfall.
Darüber hinaus sind die Darmbakterien sozusagen der Truppenübungsplatz für unsere körpereigene Abwehr. Hier wird unser Immunsystem fit gehalten. Töten wir diese Bakterien, schwächen wir unser Immunsystem - die nächste Erkältung ist damit vorprogrammiert.
Antibiotika sind nur dann sinnvoll, wenn es zu Komplikationen gekommen ist, wie z. B. Mittelohrentzündung oder Lungenentzündung oder...Sie können jedoch Komplikationen nicht verhindern, wenn man sie vorbeugend nimmt.
Was aber tun?
Zunächst kennt jeder den Spruch: “Eine Grippe dauert ohne Arzt sieben Tage und mit Arzt eine Woche!”
Soll heißen: Man kann zwar die Beschwerden
lindern, aber die Dauer (bisher) nicht verkürzen.Wer es mit Chemie versuchen möchte: Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (ASS) gegen Schmerzen und Fieber, ACC oder Ambroxol bei Husten mit Auswurf. Alle anderen Medikamente, eigentlich
auch ACC und Ambroxol, sind umstritten!
Omas gutes Hausrezept: Bettruhe, bei Fieber Wadenwickel, viel Vitamin C, viel trinken, am besten warmen Tee ohne viel Zucker.