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Autoimmunerkrankungen, Allergien und Darm
Autoimmunerkrankungen wie auch Allergien entstehen im Darm. Wenn
man sich die Funktion des Darms anschaut, finden da doch (neben der Resorption von Nahrung) erstaunliche und wundersame Dinge statt.
Beide Erkrankungen sind ja Fehlregulationen unseres Immunsystems, denn
unsere Abwehrzellen greifen entweder körpereigenes Gewebe an (Autoimmunerkrankung) oder überreagieren auf völlig harmlose und ungefährliche Partikel (Allergien). Letztlich sind das ja alles Moleküle, Eiweiße
oder andere komplexe organische Substanzen.
Woher weiß aber eine gesunde Abwehr, was gefährlich ist und was nicht? Genau hier gibt es im Darm eine ganz wunderbare Funktion, es gibt dort Zellen, deren
Aufgabe es ist, solche Bestandteile in "gefährlich" oder "ungefährlich" zu deklarieren und diese Information an unser Immunsystem weiter zu geben. Macht dieses System einen Fehler, entsteht
eine Allergie oder Autoimmunerkrankung, weil es eben eine falsche Information an unserer Immunsystem weiter gibt.
Im Tierversuch konnte man übrigens Autoimmunerkrankungen heilen, in dem man den Tieren
genau das Gewebe zu fressen gegeben hat, in dem der Autoimmunprozess stattfand. Dadurch gelang es noch im Nachhinein, die Fehlinformation des Immunsystems wieder zu korrigieren. Allerdings sind diese Ergebnisse
noch im Versuchsstadium, und daher leider (noch?) nicht auf uns übertragbar. Und das nächste Problem ist dann ja, wo kriegt man als "Hashi"-Patient jetzt genug Hashi-Schilddrüsen her, um damit nach
Verzehr unser Immunsystem umzuprogrammieren. Aber wer weiß schon, was da therapeutisch noch kommt.
Man kann aber auch viel früher ansetzen: Es scheint bewiesen, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen
und regelmäßig Kontakt zu Tieren, aber auch deren Ausscheidungen (und damit Milliarden von Bakterien, Viren usw) haben, deutlich seltener Allergien und Autoimmunerkrankungen bekommen. Es gibt inzwischen auch
Studien, die erfolgreich die positive Wirkung von Darmwürmern gegen diese Erkrankungen nachweisen konnten. Mit anderen Worten: All die Viecher, vor denen wir uns angeblich Schützen sollen (lt. Werbung für
Desinfektionsmittel), schützen uns vor vielen Krankheiten, und es sei doch einmal die "philosophische" Frage gestattet, was nun schlimmer ist, ein Wurm im Darm oder eine Autoimmunerkrankung.
Es
scheint also so zu sein, dass unsere heutige Hygiene, die ja nicht grundsätzlich falsch ist, umgekehrt aber auch neue Erkrankungen auslösen kann. Auch mal kritisch hinterfragt: Welchen immensen Schaden richten
hier Antibiotika an, da sie ja nahezu immer auch eine negative Wirkung auf die Darmflora haben?
Zusammengefasst: Hätte ich eine solche Erkrankung, würde ich versuchen, meinen Darm maximal mit Bakterien
und so weiter zu belasten, in der Hoffnung, dass damit mein Immunsystem wieder auf die richtige Spur kommt. Also nicht immer jede Möhre und jeden Apfel waschen, bevor sie/er gegessen wird. Und dazu ggf.
Präparate mit Bakterien einnehmen.
Und: Finger weg von Desinfektionsmitteln!
Solche Empfehlungen darf man aber noch nicht verallgemeinern, da bisher noch zu wenig wissenschaftlich gesichert,
Studien auch noch laufen. Andererseits weiß man inzwischen, dass man z. B. Colitis ulzerosa und offensichtlich auch M. Crohn (also eine Autoimmunerkrankung des Darms) mit einer bestimmten Sorte von Bakterien
behandeln kann, was genauso erfolgreich zu sein scheint wie Cortison
Es läuft ja derzeit eine sehr "aggressive" Werbung im deutschen Fernsehen über einen Joghurt, der angeblich als einziger
einen positiven Einfluss auf unser Immunsystem hat. In der natürlich übertriebenen und teilweise auch falschen Werbung steckt aber auch ein wahrer Kern: Das Zentrum unseres Immunsystems scheint in der Tat der
Darm zu sein, und die Idee, hier therapeutisch anzusetzen, ist daher schon richtig. Aber es muss nicht gerade DER Joghurt sein, andere (aber nicht alle) können das offensichtlich auch.
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